Kleiner Unfall

Sind nicht im Paradies.

Wilhelm hat sich gestern Abend auf die Nase gelegt und dem Krankenhaus einen Besuch abgestattet. Er ist richtig böse aufs Gesicht gefallen. Durch das Marcumar sieht er aus wie ein Preisboxer, denn eigentlich sind es nur Schrammen.

Mit dem „alten Mann“ wird es echt nie langweilig. *seufz*

Tagesausflug…

…zur Geisterstadt Doel beim Kernkraftwerk Doel / Belgien.

Wir sind in Breskens und haben uns, nach einem Tipp von einer Freundin, aufgemacht, um die Geisterstadt Doel in Belgien zu erkunden.

Die Fahrt dort hin geht über Land, denn wir haben alle Zeit der Welt. Als wir das Kraftwerk entdecken, macht sich, zumindest in meinem Bauch, ein echt komisches Gefühl breit.

Als wir schließlich in den Ort hinein fahren, wird unsere Stimmung echt bedrückend. Das Kraftwerk überragt alles, riesige Dampfwolken steigen aus den Kühltürmen und die Häuser im Ort sind alle mit Metalplatten verriegelt und verammelt.

Wir stellen das Auto ab, holen die Hunde aus den Kofferraum und steigen erst mal die Treppen zum Deich hoch. Das Bild ist toll. Vor uns liegt der Hafen von Antwerpen und ein Schiff der Grimaldi Line fährt gerade hinein. Der Blick auf das Kraftwerk allerdings ist wirklich bedrückend und komisch. Für nichts in der Welt würden wir hier wohnen wollen.

 

Anschließend steigen wir den Deich wieder runter und erkunden das kleine Dorf.

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Nur ganz wenige Häuser sind noch bewohnt. Ursprünglich sollte das Dorf abgerissen werden, damit der Hafen von Antwerpen vergrößert werden kann, aber es regt sich harter Widerstand und momentan tut sich da nichts  und so „gammelt“ das Dorf vor sich hin.

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Die Fenster und Türen sind, wie schon geschrieben, mit Metallplatten verriegelt. Man kann Vandalismusspuren sehen und Graffiti. Viele Graffiti. Durch die Metallplatten wurden einige, der wirklich tollen, Graffiti beschädigt und sind nun nicht mehr wirklich ansehnlich. So wie diese Ratte hier.

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Andere sind aber noch toll erhalten.

 


In den Straßen sieht man keine Menschen. Krähen und Tauben haben das Dorf erobert.

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Allerdings werden ganze Busladungen an Menschen rangekahrt, damit sie sich das Geisterdorf und das Kernkraftwerk angucken können. Belgier, Deutsche, Franzosen…wir finden das echt unglaublich.

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Die Dorfkirche ist noch intakt und auch der Friedhof neben an. Die Glocken haben geläutet, als wir da waren.

 

Auch das alte Mädcheninternat Sint Cornelius Gesticht von 1938 blieb von den Graffiti nicht verschont. Es ist eigentlich schade, dass man in die Gebäude nicht hinein kann.

 

Ein wenig Kunst ist auch noch zu finden. Verwunderlich, dass sie nicht zerstört wurde.

 

Tiefgreifende Poesie
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Ich hab mal versucht das zu übersetzten:

Später, wenn die vielen schönen Erinnerungen
den Platz meiner Trauer eingenommen haben,
könnte ich vielleicht ausdrücken
was ich jetzt nur unter ( mit) Tränen erzählen kann

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Es gibt Spreu und Körner (Weizen)
Der Herr kümmert sich darum
Beide sind verloren
Von wieso oder warum keine Spur.

Wir steigen nochmal auf den Deich und ein riesiges MSC Schiff fährt gerade in den Hafen ein. Die Viviana ist 400 Meter lang und 58 Meter breit. Sie hat einen Tiefgang von 12.6 Meter.

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Nachdem die Hunde und auch wir getrunken haben, verlassen wir das Dorf am Kernkraftwerk.

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Es kommen uns noch mehr Busse entgegen und wir schütteln nur mit dem Kopf. Für ein Foto von den alten Tankstellen halte ich nochmal an.

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Das Dorf
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liegt nun wieder hinter uns und der letzte Blick auf das Kraftwerk ist doch etwas ängstlich. Denn der Betreiber wirbt mit sicherem Strom und das treibt uns, bei der derzeitigen Berichterstattung, echt die Tränen in die Augen.
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